Moldawien Zwischenbericht

Zurück aus einer anderen Welt

Die vergangenen Wochen in Moldawien waren anstrengend und geprägt von ständig neuen Herausforderungen, aber am Ende erfolgreich. Im Verlauf mussten einige Vorhaben vollständig neu gedacht, umgestellt und konzeptionell anders werden. Fast alles am ursprünglichen Konzept änderte sich in den Tagen von Ankunft bis Abreise. Davon handelt dieser Zwischenbericht.

Was war passiert?

Wir haben 62 Immobilien im gesamten Landkreis angesehen, bewertet und uns Gedanken über das Für und Wider gemacht.

Nachdem man sich über die Modalitäten geeinigt hat, geht die Grundstücksakte an einen Notar. Dieser sendet dann in alle Himmelsrichtungen Anfragen, ob die Immobilie in irgendeiner Form belastet ist, ob es Miteigentümer gibt oder andere einschränkende Bedingungen.

Wir hatten uns zunächst auf ein Haus festgelegt, dessen Substanz gut war und das Grundstück unseren Vorstellungen entsprach. Der Preis war angemessen. Im Verlauf der Überprüfungen stellte sich heraus, dass dieses Grundstück „verhaftet“ ist, d.h. der Eigentümer hatte eine von einem Gericht ausgesprochene Strafe nicht bezahlt und die Justizkasse hatte sich ins Grundbuch eintragen lassen. Gemessen am Kaufpreis waren die 1.160€ Strafe noch annehmbar, also beschlossen wir gemeinsam, die „Verhaftung“ aufheben zu lassen, indem wir die Strafe bezahlen. Der Teufel ist aber ein Eichhörnchen! Es folgten weitere Anrufe der Justizkasse. Immer weitere Strafen summierten sich auf einen Betrag, der den Kauf nicht mehr rechtfertigte.

Eine andere Frau bot uns ein Grundstück mit einer uralten Kate an. Sofort waren wir Feuer und Flamme, denn die Kate stellte sich als eines der ältesten Häuser der Region heraus. Sie bot also neben dem Kinderhaus noch Möglichkeiten für ein kleines Museum mit Café. Auch hier folgte ein Dämpfer, denn die Dame wollte an ihren Miterben vorbei an uns verkaufen.

Zwei weitere Immobilien hatten unvollständige Papiere, ein Haus war vom echten Hausschwamm befallen, ein Grundstück ließ keine öffentliche Widmung zu, ein durch seine Größe bestens geeignetes Gebäude hatte mehrere tiefe Risse vom Fundament bis durch den Ringanker. Viele der besichtigen Immobilien waren damit unbrauchbar geworden, so dass wir das Konzept „alles an einem Platz“ verwerfen mussten.

Wie sich herausstellen sollte, haben wir dadurch sogar einen Zugewinn für die Menschen erreicht.

Sachspenden

Nach Rücksprache mit den im zuständigen Ministerium Verantwortlichen ist sicherzustellen, dass Sachspenden ausschließlich originalverpackte Neuwaren sind. Der Import ist über das Ministerium von beiden Seiten (Empfänger und Absender) mit einer exakten Liste der Güter anzumelden und am Zoll zu deklarieren. Man empfiehlt den Kauf der Sachen in Moldawien, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen.

Ausnahmen dürfen gemacht werden:

Kleidung, Schuhe, Schulsachen, Taschen und Freizeitspielzeuge für Einrichtungen, die zum Zweck der finanziellen Unterstützung von NGO eingeführt werden, dürfen nach Genehmigung des Ministeriums als „gebraucht“ eingeführt werden. Eine Desinfektionsbescheinigung kann verlangt werden.

Baumaterialien zum Aufbau einer sozialen Einrichtung dürfen nach Anmeldung und Genehmigung eingeführt werden. Es können geringfügige Einfuhrzölle erhoben werden, die von der moldawischen NGO zu erbringen sind. Hierzu gab es keine konkrete Aussage seitens der Zollbehörden, so dass wohl im Einzelfall darüber entschieden wird. Das Projekt ist besonders förderwürdig, von daher sind die Einfuhrhürden für Baumaterialien tendenziell als nicht sehr hoch zu betrachten.

Der Schulbus ist bereit!

Wir haben es durch ein Crowdfunding geschafft, für die betroffenen Kinder einen Schulbus zu kaufen, herzurichten und die technischen Abnahmen und die Allgemeine Betriebserlaubnis zu bekommen. Alles in Allem wurden dafür 19.800€ aufgewendet. Für einige Nebenkosten zur technischen Umrüstung kamen wir privat auf, um die Spendenkasse nicht weiter zu strapazieren. Dies war der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen Konzept für die nachfolgenden Anforderungen.

Gelungen ist uns der Kauf von zwei Grundstücken, welche im Eigentum der örtlichen NGO stehen und dort auch verbleiben werden. Übertragungen von einer Partei zur anderen dauern bei Vorliegen aller Unterlagen nicht mehr als fünfzehn Tage.

Grundstück Nummer 1

ist eine große Haushälfte mit überschaubarem Anteil Land. Das gut erhaltene Gebäude stammt aus Sowjetzeiten und verfügt über fünf Zimmer. Es ist an alle gängigen Medien angeschlossen und muss nur noch renoviert werden. Dieses Haus ist kurzfristig herzurichten, denn es wird vier Funktionen erfüllen:

  • Bauplanungsbüro, später wird die Verwaltung hier ihren Sitz haben
  • Sozialladen
  • Familienberatungsbüro
  • Notunterkünfte

Die von uns unterstützte und mit uns eng zusammenarbeitende gemeinnützige NGO „Bahtalo Ker“ wurde am 4. Dezember 2012 gegründet. Erst jetzt, 10 Jahre später, kann sie bald, vor allem durch die Hilfe zahlreicher Menschen aus Deutschland, erstmals eigene Büros betreiben und von dort aus Familien in schwierigen Situationen beratend zur Seite stehen. Es wird spezielle Frauen-, Mädchen-, und Männersprechtage geben. Im Konzept sind individuelle Termine für queere Personen und Menschen mit Behinderungen vorgesehen. Über dieses Kontaktbüro können sich Bedürftige registrieren lassen. Sie werden von den Mitarbeitenden einen Sozialpass erhalten, der ihnen Zugang zu Vergünstigungen ermöglicht. Vergleichbar am ehesten mit den Angeboten der Tafel in Deutschland.

Die Bauplanungen für das Kinderhaus sollen bis zur Fertigstellung hierher verlagert werden. Im Anschluss wird das moderne Büro als Verwaltungsbüro erhalten bleiben.

Der überwiegende Teil des Hauses wird jedoch zu einem Sozialladen umfunktioniert. Im „Magazin“ werden an Personen mit Sozialpass gereinigte, ggf. reparierte Kleidungsstücke „verkauft“. Jedes Kleidungsstück soll mindestens 20 MDL (1€) bis höchstens 50 MDL (ca. 2,50€) kosten dürfen. Es werden dadurch über die NGO Arbeitsplätze für zwei Frauen geschaffen. Das vereinnahmte Geld dient ausschließlich der Kostendeckung des Sozialladens und ihrer Mitarbeiterinnen. Hier waren wir zunächst skeptisch, ob dieser Weg richtig sei. Doch wie wir lernen mussten, ist es notwendig, damit die Menschen den Wert von Waren besser zu schätzen lernen. Würden Kleidungsstücke kostenlos abgegeben, würden viele davon in den Öfen als Heizmaterial verschwinden. Was gekauft wird, hat einen anderen Stellenwert und wird mehr geschätzt.

Etwaige Überschüsse des Sozialladens stehen der NGO für Unterhaltskosten zur Verfügung. Angeregt wurde von uns, das Geld jedoch besser in einen weiteren Arbeitsplatz zu investieren, sofern die Einnahmen solide planbar auf gutem Niveau bleiben.

In Kooperation mit Terra Vision werden mittelfristig haltbare Lebensmittel von regionalen Großhändlern bezogen, die zum Selbstkostenpreis an Personen mit Sozialpass über den Sozialladen abgegeben werden. Wie bei den Tafelvereinen in Deutschland, soll jede bedürftige Familie ein Paket erhalten können und dafür nur einen Minimalbeitrag zusteuern. Vorgesehen sind hier 10 MDL (0,50€) Zuzahlung je Paket.

Der Sozialladen und das Familienberatungsbüro sind nicht zufällig im gleichen Gebäude. Um die herrschenden Strukturen besser zu durchbrechen, muss ein Ort angeboten werden, zu dem jede Person kommen kann, ohne unmittelbarer Stigmatisierung ausgesetzt zu sein. Dank eines „Kaufangebotes“ ist es somit möglich, zum Beispiel von Gewalt Betroffenen im Haus eine unverfängliche Anlaufstelle anzubieten. Über diesen Umweg wird eine neutrale Zone geschaffen.

Bei allen Zuzahlungen soll es Härtefallregelungen geben, die das Beratungsbüro direkt vor Ort prüfen und genehmigen kann.

Weil das Haus über alle Anschlüsse verfügt, soll eine ehemalige Stallanlage zu Waschräumen umfunktioniert werden. Der kontrollierte Zugang zu diesem Teil soll rund um die Uhr gewährleistet sein. Jeweils bis zwei gleichgeschlechtliche Personen gleichzeitig dürfen die beiden räumlich vollständig voneinander getrennten Nasszellen benutzen.

Der ehemalige Stall hat eine L-Form. Der längere Teil des Gebäudes wird als Notfallwohnraum hergerichtet für die Zeit, in der noch keine Aufnahme im Kinderhaus möglich sein wird. Platz ist hier für mindestens 10 Kinder. Nach Fertigstellung des Kinderhauses wird dieser Wohnraum als Notfallunterkunft weiterhin nutzbar bleiben.

Die Verteilung der Gelder (z.B. aus laufenden Crowdfundings) und Sachspenden für alle diese Angebote wird die Terra Vision in der ersten Phase des Gesamtkonzeptes überwachen. Für Sachspenden werden Spendenquittungen von „Bahtalo Ker“ ausgestellt, Geldspenden aus der EU werden ab Mitte der zweiten Jahreshälfte 2022 mit Spendenquittungen der Terra Vision bescheinigt. Hierzu bedarf es zunächst neuer Strukturen mit einem Sonderkonto, um den Richtlinien der AO (Abgabenordnung) in Deutschland und Moldawien gerecht zu werden.

Das Camp

Das neue Camp

Савка (Sauca) im Kreis Ocniţa ist ein von besonders schwerer Armut gekennzeichnetes Dorf. Von den rund 1.700 Einwohner*innen sind drei Viertel arm. Im Ort engagiert sich eine Bürgermeisterin, die sich auch hoffnungsvoll an uns wandte, damit wir dort aktiv werden. Beim zweiten Besuch lernten wir zahlreiche Menschen kennen. Einige waren aufgrund des Alters bettlägerig und definitiv unterversorgt, andere schwerbehindert und ohne eine angemessene medizinische Versorgung. Wie auch in Otaci und überhaupt im Kreis Ocniţa sind sehr viele Kinder bei Großeltern untergekommen die sich, wenn überhaupt, nur sehr schlecht um die Kinder kümmern. Hintergrund dieser Situation ist häufig, dass die Eltern entweder gestorben sind oder das Land auf der Suche nach einem Einkommen verlassen haben. Die Kinder wurden irgendwann vergessen und niemand weiß, was aus deren Eltern geworden ist. Solcher Geschichten sind typisch für Moldawien, auch insgesamt für Südosteuropa bis weit in die entlegenen Ostgebiete der ehemaligen Sowjetunion hinein. Nach unserer vorsichtigen Einschätzung sind zwei Drittel dieser Kinder in Nordmoldawien mehr oder weniger auf sich allein gestellt oder sie campieren als kleine Gruppe „obdachlos“ in leerstehenden Häusern.

Geplant ist in Савка ein Sommercamp für die Kinder der gesamten Region einzurichten. Die Kinder sollen ein paar Tage Ferien von ihrer Armut machen dürfen. Sie sollen hier Werte und Kultur vermittelt bekommen und den wertschätzenden Umgang mit Ressourcen aus der Natur erlernen. So ist zum Beispiel Teil des Konzepts auf Mülltrennung zu achten und Wasser als wertvollsten Lebensrohstoff zu begreifen. Langsam entstehende regionale Tanz- und Musikgruppen sollen zum Mitmachen animieren. Eine Nebenfläche bietet Raum zur Aufforstung, wodurch ein Lehrpfad entstehen soll. Ein örtlicher Kleinimker bot an, seine Schauimkerei in sicherer Nähe zu errichten.

Das ebenfalls auf die NGO eingetragene zweite Grundstück verfügt über eine sehr große Fläche mit Nebenflächen und ist (nahezu) mit allen Medien verbunden. Verglichen mit anderen Immobilien bietet dieser Standort hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten für soziale Zwecke. Über die Ortsbürgermeisterin wird der unmittelbar angrenzende, riesige Sportplatz kostenfrei zur Verfügung gestellt. Den Unterhalt übernimmt die Gemeinde. Terra Vision wird über Sachspenden aus Deutschland versuchen, dort neue Fußballtore und zwei Basketballkörbe aufzustellen.

Der Sportplatz in Савка

Die drei aufstehenden Gebäude sind tendenziell wohl abrisswürdig, jedoch bietet das dadurch gewonnene Baumaterial Gelegenheit für einen Wiederaufbau zu einem großen Einzelgebäude. Diese Immobilie an diesem Standort mit einzubeziehen ist, neben den sozialen Zwecken, auch eine politische Entscheidung.

Mehrere Standorte mit unterschiedlichen Funktionen

Weil das Gesamtkonzept ursprünglich vorsah, alle Teile in nur ein einziges Gelände zu integrieren, wurde zu Beginn nach sehr großen Anwesen geschaut. Diese jedoch sind insgesamt betrachtet vielfach teurer, als die heute bestehende Lösung. Auch ist es damit möglich geworden, unterschiedliche Funktionen günstig über mehrere Standorte zu verteilen.

So kann das Sommercamp betrieben werden, ohne die anderen Teile zu stören. Der Sozialladen kann täglich geöffnet werden und ist durch die direkte Anbindung an die Büros auch Magnet für Hilfesuchende.

Der dritte und insgesamt prägendste Teil des Gesamtkonzepts ist aber das Kinderhaus. „Bahtalo Ker“ entstammt der Sprache der Roma und bedeutet so viel wie „Glückliches Haus“. Als der Verein vor zehn Jahren gegründet wurde, war es Absicht das zu tun, was wir heute gemeinsam versuchen zu erschaffen.

Ein Haus für Kinder ohne Obdach

Das Bahtalo Ker wird auf dem Gelände einer ehemaligen Schule in Otcai entstehen. Die Schule wurde vor zwanzig Jahren aufgegeben und diente seither den Menschen der Stadt als Baustofflieferant. Entsprechend ist das früher als „E“ errichtete Gebäude weitgehend abgetragen worden. Alle Grundmauern und eine Sporthalle – diese befindet sich im Keller des Gebäudes – sind noch intakt. Auf der linken Seite des großen Anwesens befindet sich ein postsowjetischer Betonbau mit einer ca. 200 m² großen Grundfläche, welcher nun als Bauprojekt Stufe I. zu einem Kinderhaus hergerichtet wird.

Bahtalo Ker erhält für diesen Zweck einen kostenlosen 30-jährigen Nutzungsvertrag von der Stadt. Im Vertrag wurde ein Vorkaufsrecht auf das Gelände mit aufstehenden und inliegenden Bauten vertraglich vereinbart. Nach Gesprächen mit der Stadtverordnetenversammlung wird das Gelände von Unrat beräumt übergeben. Eine Genehmigung zur Baustoffrückgewinnung aus den restlichen Ruinen wird erteilt. Sämtliche Baupläne werden aus dem Landesarchiv kostenfrei zur Verfügung gestellt, um hieran orientiert mögliche Kellerräume aufzuspüren und nutzbar zu machen. Die offen zugänglichen Kellerbauten wurden bereits geprüft. Sie sind sämtlich trocken und standsicher. Auch der Keller unter dem Betongebäude erfüllt alle Eigenschaften für die geplante Nutzung als Heizungsraum und Wäschekammer.

In der ersten Bauphase wird das Betongebäude erdbebensicher aufgestockt und bedacht. Jeweils an die Stirnseiten werden Treppenhäuser angebaut, um den europäischen Richtlinien für Brandschutz und Fluchtwege gerecht zu werden. Sie bieten den kontrollierten Zugang nach oben und nach unten auf beiden Seiten des Gebäudes. Die Fensterausschnitte sowie die Türen werden, so noch nicht vorhanden, vorbereitet. Nach Einsetzen der Fenster erfolgen die Arbeiten an der Fassade und im Innenausbau.

In der unteren Etage werden ein Sozialarbeiter*innenbüro, ein Waschraum und Toiletten, ein Korridor und die Zimmer der 20 Mädchen eingerichtet. 

In der oberen Etage entstehen, neben den Zimmern für 20 Jungen und dem Waschraum mit Toilettenkabinen, ein kleiner Spiel-, Lern- und Speisesaal für alle Kinder mit einer nach dorthin offenen Küche.

Jedes Zimmer wird für zwei Kinder mit Einzelbetten, Schränken und Tischen eingerichtet. Sie werden jeweils mit einem großen Fenster und modernen Zimmertüren versehen. Die Beleuchtung erfolgt über energiesparende LED-Wandlampen, die Steckdosen werden auch USB-Anschlüsse erhalten. WIFI wird in allem Räumen von 6.00 Uhr bis 23.00 Uhr verfügbar sein.

Das Gelände an sich bietet Raum für einen großen Spielplatz, einen Bolzplatz und zahlreiche andere Outdoor-Aktivitäten für beiderlei Geschlechter. Durch die vorhandene Sporthalle im Keller eines nebenliegenden ehemaligen Gebäudeteils wird zudem gehofft, hier weitere Freizeitaktivitäten vorhalten zu können. Für diese Sache wurde der Architekt aufgefordert, die alten Baupläne in den Gesamtplan mit einzubeziehen.

Weiterführende Informationen zum Konzept des Kinderhauses folgen.

Wer sind die Mitarbeitenden für dieses Projekt?

Die moldauische NGO besteht seit zehn Jahren. Gegründet wurde sie von den heute als Mediatoren der Stadt arbeitenden Romi Maxim und Alex. Ihre Position kann man mit denen von Streetworkern gleichsetzen, wobei sie im Job zusätzlich für die Vermittlung zwischen Roma-Interessen und Staat fungieren. Alex hat ein abgeschlossenes Studium, dank dem er beruflich wie in der NGO als Sozialarbeiter aktiv ist. Dima, als Dritter im Bunde, ist mit seinen Sprachkenntnissen ein wichtiges Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten. In der Region wird Romani genauso gesprochen wie Russisch, Moldauisch (ein schwerer Dialekt des Rumänischen), Ukrainisch und viele weitere Sprachen des Ostens. Hierfür bedarf es eines vermittelnden Menschen, den die NGO in dem Vater von sechs Kindern gefunden hat.

Alle drei Familienväter vereint der Wille, das Leben der Menschen in Moldawien zu verbessern. Durch die hier typischen großen Familien steht ein riesiges Potenzial an Helfenden zur Verfügung, die das Projekt mit betreuen werden. Allen voran die Ehefrauen der Initiatoren. Immer wieder sind einige von ihnen bei Fortbildungen, zuletzt bei einer großen Fortbildung für NGO-Streetworker der Unicef in Kischinau. Diese Leute wollen nicht nur helfen, sie tun es längst. Was ihnen jedoch immer fehlte, war eine Initialzündung, denn das Geld ist knapp.

Wir konnten sie während unserer Flüchtlingshilfe kennenlernen, als sie sofort nach Kriegsausbruch in der Ukraine Menschen sämtlicher Nationen bei sich aufnahmen. In den Tagen danach mieteten sie einen großen Raum und versorgten die Flüchtlinge mit Essen, Wärme, Schutz und Hilfe.

Wichtig zu erwähnen ist, dass sie bereits heute ein weitreichendes Netzwerk in Moldawien unterhalten. Die NGO kann schnell Mitarbeitende aus dem Land akquirieren und bekommt auch psychologische Beratung bei Fällen, die sie bei ihrer Arbeit mit armen Menschen abrufen können. Personell werden gut 30 Personen dauerhaft im Projekt eingebunden aktiv sein – ehrenamtlich! Hinzu kommen unzählige Helfende, die für Aufbau und Betrieb Freizeit und Arbeitskraft spenden.

Dauerhafter Unterhalt

Solches Großprojekt bedarf einer ausreichenden Finanzierung. Bis zum Tag des Erscheinens dieses Zwischenberichts sind insgesamt 60.730€ über Beihilfen von Freunden, Bekannten, Crowdfundings und Sachspenden in das Projekt geflossen (Schulbus, zwei Immobilien, Lebensmittel, Gebühren und sonstige Hilfen). Alle grundlegenden Vorbereitungen wurden getroffen, alle Immobilien sind ab sofort baubereit, der Schulbus wird schon eingesetzt.

Nun heißt es, den Aufbau des Sozialladens und des Büros mit Notunterkünften so voranzutreiben, dass die ersten Erfolge schnell sichtbar werden. Im Einzelnen:

Kosten: Sozialladen, Büros, Waschraum, Notfallunterkünfte

Für diesen ersten Teil werden rund 36.000€ benötigt. Darin enthalten sind alle baulichen Maßnahmen und die Ausstattung der Räume mit modernen Einrichtungen. Nicht enthalten sind die Ladeneinrichtung und die Waren für das Magazin, die möglichst aus Sachspenden kommen sollen.

Kosten: Kinderhaus

Die Kostenrechnung (noch nicht abschließend vorliegend, jeweils mit Baumaterial und Lohnkosten) für die 40 Kinder sieht – Stand heute – so aus:

  • Treppen und Treppenhäuser als Fluchtwege (16.000€)
  • Dach und Dachentwässerung (22.100€)
  • Fenster und Sicherheitstüren, außen (8.400€)
  • Innentüren (3.720€)
  • Waschräume und Toiletten (10.000€)
  • Küche mit Belüftung, ohne Einrichtung (4.600€)
  • Elektro und Zubehör (8.800€)
  • Decken und Böden (6.235€)
  • Abwasseranschlüsse und Grube, Gesamtgelände (6.550€)
  • Außenanlagen und Spielzonen außen (10.000€)
  • Isolierung (noch offen)
  • Architekt 1% der Bausumme, Rohbau bis Isolierung

Alles in Allem kann mit einer realistischen Gesamtsumme ohne Heizung von rund 120.000€ gerechnet werden, wobei für viele Gewerke noch unterschiedliche Angebote einzuholen sind. Bei manchen Gewerken sind hier bereits Unterschiede von bis zu 20%, in einem Fall bis 30% erkennbar geworden. Die größte Unbekannte bleiben allerdings die stetig steigenden Materialkosten, auf die niemand Einfluss nehmen kann.

Geplant ist, den Baukörper bis Oktober 2022 winterfest zu haben. Innenausbauten erfolgen anschließend. Alles steht in Abhängigkeit von der Spendenbereitschaft der Menschen, die das Projekt unterstützen.

Kosten: Sommercamp

Die Kosten für das Sommercamp sind überschaubar. Weil dieser Part erst in der Sommersaison ab Juli 2023 zum Tragen kommt, werden hier lediglich 7.000€ für den Rückbau mit Material-Recycling veranschlagt. Der vorgesehene Wiederaufbau als großer Saal mit Sommerküche dürfte höchstwahrscheinlich unter 30.000€ bleiben.

Bis Ende 2023 sollen hier ebenfalls ein Kontaktbüro und ein Sozialladen aufgebaut werden.

Langfristige Finanzierung

Die Terra Vision und „Bahtalo Ker“ arbeiten zurzeit an einem umfangreichen Bewirtschaftungskonzept zur Sicherung des dauerhaften Unterhalts. Hierbei werden Arbeitsplätze neu und im Land selbst das Bewusstsein für die Armut geschaffen. Neben Patenschaften für einen Unterbringungsplatz wird Hilfe zur Selbsthilfe ein großes Thema werden.

Dieses Projekt ist ein Pilotprojekt

Bahtalo Ker wird mit diesem Großprojekt schätzungsweise 6.000 Personen auf die eine oder andere Art erreichen. Eine Unterbringung wird für 40 Kinder im Kinderhaus und 10 Kinder in der Notfallunterkunft ermöglicht. Dank des Sozialladens als „Magnet“ wird erheblich mehr Menschen der Zugang zu sozialer Hilfe von der NGO und von staatlicher Seite angeboten werden können. In Zusammenarbeit mit der Kreis- und Stadtverwaltung, mit Polizei, Justiz, Ärzten und dem örtlichen Krankenhaus wird die Sicherheit erhöht. Sichtbarmachung von Missständen wird für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Die Idee zum Projekt wurde im Rahmen einer Maßnahme bei Unicef vorgetragen. Sie hat das Zeug dazu, als Pilotprojekt auch in anderen Regionen Moldawiens erfolgreich zu werden.

Machen ist wie wollen, nur geiler! Packen wir es an.

Nächster Termin: Sonntag, 29. Mai 2022 bis Mitte Juni 2022

Terra Vision
Berlin, 26. Mai 2022

Das laufende Crowdfunding zum Projekt

Ihre Spende für Terra Vision

Weiterführende Informationen zum Konzept des Kinderhauses folgen.

HINWEIS:

Terra Vision und „Bahtalo Ker“ beteiligen sich nicht an Korruptionsversuchen oder Korruption. Bisher sind keinerlei Versuche unternommen worden, bestimmte Genehmigungen oder Leistungen gegen Geld zu erteilen bzw. zu erbringen. In der gegenseitig geschlossenen Vereinbarung verpflichten sich alle Beteiligten dazu, Korruption oder den Versuch der Korruption unmittelbar bei der Antikorruptionsbehörde in Kischinau anzuzeigen.

  Kategorie: Projektarbeit